Eine wahre Agrarrevolution in der Region Oise: der Anbau von Zuckerrüben
Abseits der Wälder und Wanderwege wird die Identität der Valois-Region maßgeblich von der Landwirtschaft geprägt. Ab dem 19. Jahrhundert etablierte sich dank der Kalksteinplateaus der Oise der Zuckerrübenanbau, der komplexen geopolitischen Strategien (Kontinentalblockade) entgegenwirkte und einen strategischen Wirtschaftszweig für das Gebiet schuf.
Die Entstehung eines strategischen Sektors
Der Anbau von Zuckerrüben in unserer Region war eine wahre Agrarrevolution. Im Gegensatz zum Zuckerrohr erfuhr er seinen historischen Aufschwung während der Napoleonischen Kriege. Da die Region Oise bereits 1811 gezwungen war, 300 Hektar Zuckerrüben anzubauen, etablierte sich das Valois-Gebiet als Vorreiterland. Dieser landwirtschaftliche Erfolg führte unmittelbar zu industrieller Aktivität, die sich in der Errichtung lokaler Zuckerraffinerien äußerte. Das Wachstum war so bedeutend, dass eine Anpassung der Infrastruktur, insbesondere der Ausbau der Eisenbahn für Handel und Transport, notwendig wurde.
Eine tiefe industrielle Verwurzelung: Beaurain und Vauciennes
Die wirtschaftliche Entwicklung der Valois-Region war eng mit der verarbeitenden Industrie verbunden. Die Zuckerraffinerien von Vauciennes und Beaurain-Trumilly waren die industriellen Leuchttürme, die unsere Landschaft und die Beschäftigung prägten. Das Werk in Vauciennes beispielsweise war ein Komplex, der eine Zuckerraffinerie, eine Brennerei und eine Zellstoffproduktionsanlage umfasste. Dort herrschte reges Treiben: 143 Festangestellte und 48 Saisonarbeiter verarbeiteten täglich bis zu 8.000 Tonnen Zuckerrüben und produzierten 650 Tonnen Kristallzucker. Obwohl diese Standorte geschlossen wurden, ist ihre Geschichte, wie die der Region, bis heute lebendig. Denkmal des Zuckerfabrik Francières in der Nähe von Compiègne ist es von wesentlicher Bedeutung für das kollektive Gedächtnis des Départements Oise.
Von der Roten Bete zum Zucker – Der Transformationsprozess
Wie wird aus Roter Bete Kristallzucker? Nachdem die Rübe aus den fruchtbaren Böden des Valois geerntet wurde, gelangte sie in die Zuckerfabrik (wie beispielsweise in Vauciennes oder Beaurain-Trumilly). Dort wurde sie gründlich gewaschen, bevor sie in dünne Scheiben, sogenannte Cossettes, geschnitten wurde.
Diese Muffins wurden in heißes Wasser getaucht – dies ist die Diffusionsphase –, wodurch der darin enthaltene Zucker extrahiert wurde und ein trüber, süßer Saft entstand. Dieser Saft wurde anschließend gereinigt, um Verunreinigungen zu entfernen, und durch Verdampfung konzentriert, bis ein Sirup entstand. Der Sirup wurde dann gekocht, um die Zuckerkristallisation zu bewirken. Schließlich wurden die Zuckerkristalle durch Zentrifugation von der restlichen Melasse getrennt. Dieser jährlich wiederholte Zyklus war die Grundlage des Reichtums unserer Gemeinschaften.


Die wirtschaftlichen Auswirkungen
Die intensive Zuckerrübenindustrie hat die Region Valois zu einem bedeutenden Zentrum der industriellen Entwicklung gemacht. Der Bedarf an Maschinen und Transportmitteln hat ein dichtes Wirtschaftsnetzwerk geschaffen, das weit über die Landwirte und die Zuckerfabriken hinausreicht.
- Mechanisierung der Landwirtschaft: Der intensive Anbau und die Ernte von Zuckerrüben erforderten robuste Maschinen. Lokale und regionale Landmaschinenhersteller arbeiteten eng mit unseren Landwirten zusammen und lieferten ihnen Pflüge, Sämaschinen und später die ersten Mähdrescher.
- Transport und Logistik: Der Transport von Rüben und Zucker förderte die Entwicklung der Eisenbahn sowie von Handels- und Logistikunternehmen in der Region Oise.
- Industrielieferanten: Die sehr energieintensiven Zuckerraffinerien bildeten die Grundlage für die Tätigkeit regionaler Gießereien und mechanischer Werkstätten, die für deren Instandhaltung zuständig waren.
Dieser industrielle Aufschwung brachte bedeutende Akteure wie Poclain hervor, das heute in Plessis-Belleville ansässig ist.
Poclain und das Valois
1927 gründeten Georges Bataille und Antoine Léger in Plessis-Belleville eine Landwirtschaftswerkstatt, in der sie Raupenanhänger, Karren und „Trirou“-Lkw für den Transport von Zuckerrüben entwickelten. Die ersten Poclain-Maschinen, die an Traktoren angebaut wurden, kamen hauptsächlich in der Holzernte zum Einsatz und knüpften so die Verbindung des Unternehmens zur Zuckerrübenindustrie.
Als bedeutender Arbeitgeber stärkte Poclain die lokale Wirtschaft und stellte sein Know-how unter anderem in den Dienst der Landwirtschaft. Ein Verein bewahrt heute sein Erbe und seine Maschinen und zeugt so vom Zusammenspiel von Industrie und Landwirtschaft in der Region Valois. La Poclain-Stiftung.



